Rezension ClimateCoating ThermoActive: Funktioniert dieser „Wunder-Anstrich“ wirklich?
Wenn jemand behauptet, dass eine Beschichtung die Dachtemperatur deutlich senken und dadurch den sommerlichen Wärmeeintrag in ein Gebäude reduzieren kann, klingt das zunächst fast zu gut, um wahr zu sein. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Beschichtungen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungsversprechen. Deshalb haben wir uns ClimateCoating ThermoActive genauer angesehen. Handelt es sich lediglich um eine weiße Dachbeschichtung oder steckt dahinter ein bauphysikalischer Ansatz zur Reduzierung der solaren Erwärmung?
Was ist das eigentlich? (Technischer Hintergrund)
ThermoActive ist eine funktionale, thermokeramische Beschichtung für Gebäudeoberflächen. Die Beschichtung basiert auf einem speziellen Bindemittelsystem mit keramischen Mikropartikeln bzw. Mikrosphären.
Diese keramischen Bestandteile weisen Eigenschaften auf, die für die thermische Wirkung der Beschichtung relevant sind. Nach dem Trocknen bildet ThermoActive eine zusammenhängende Beschichtung, deren optische und thermische Eigenschaften dazu beitragen können, die solare Erwärmung der behandelten Oberfläche zu reduzieren.
Hauptversprechen vs. Realität
1. Versprechen: Reflexion von bis zu 91 % der Sonnenstrahlung
Realität: Für bestimmte ThermoActive-Varianten werden hohe Solarreflexionswerte angegeben. Ein Wert von bis zu 91,4 % bezieht sich auf definierte Prüfbedingungen und sollte nicht mit einer pauschalen Reflexion unter allen praktischen Bedingungen gleichgesetzt werden. Die tatsächliche Wirkung hängt unter anderem von Farbton, Verschmutzung, Alterung, Einstrahlung und dem Zustand der Oberfläche ab.
Praxis- und Vergleichsmessungen können die Wirkung einer reflektierenden Beschichtung anschaulich machen. So wurde beispielsweise bei einem dunklen Blechdach unter sommerlicher Sonneneinstrahlung eine deutliche Reduzierung der Oberflächentemperatur zwischen einem unbeschichteten Bereich mit etwa 78 °C und einem beschichteten Bereich mit etwa 34 °C dokumentiert. Solche Werte sind jedoch immer im Zusammenhang mit den konkreten Messbedingungen, der Einstrahlung, dem Farbton und der Dachkonstruktion zu betrachten.
- Einordnung: Eine hohe Solarreflexion kann die Erwärmung einer Dach- oder Fassadenoberfläche bei intensiver Sonneneinstrahlung deutlich reduzieren. Die konkrete Temperaturdifferenz ist objekt- und situationsabhängig.
2. Versprechen: Senkung der Innentemperatur
Realität: Eine niedrigere Oberflächentemperatur des Daches bedeutet nicht automatisch eine bestimmte Absenkung der Raumtemperatur. Wie stark sich eine Beschichtung auf die Innenraumtemperatur auswirkt, hängt von den Gesamteigenschaften des Gebäudes ab – unter anderem von Dachaufbau, Dämmung, Fensterflächen, Verschattung, Lüftung und internen Wärmequellen.
Besonders bei Hallen, Dachgeschossen oder Gebäuden mit schwach gedämmten Dachflächen kann eine deutliche Reduzierung der solaren Erwärmung der Dachhaut jedoch einen relevanten Beitrag zur thermischen Entlastung leisten. In einzelnen Praxisprojekten wurden dabei auch deutliche Unterschiede der Raumtemperatur beobachtet. Konkrete Werte wie 5 bis 8 °C sollten jedoch immer als objektbezogene Messergebnisse und nicht als allgemeines Wirkversprechen verstanden werden.
- Einordnung: Der Nutzen ist besonders dort interessant, wo die Dachfläche einen wesentlichen Anteil am sommerlichen Wärmeeintrag in das Gebäude hat.
3. Versprechen: Unterstützung der Dachlebensdauer
Realität: Dachmaterialien wie Bitumen, bestimmte Kunststoffe oder Metalle sind über viele Jahre UV-Strahlung, Witterung und Temperaturwechseln ausgesetzt. Eine geeignete Beschichtung kann den Untergrund zusätzlich vor Witterungseinflüssen schützen und durch die Reduzierung der solaren Aufheizung thermische Belastungen der Oberfläche verringern.
Dadurch kann eine Beschichtung unter geeigneten Bedingungen zum Erhalt der Dachoberfläche beitragen. Ob sich dadurch die tatsächliche Nutzungsdauer eines Daches verlängert, hängt jedoch wesentlich vom vorhandenen Dachmaterial, seinem Zustand, der Ausführung und den Umgebungsbedingungen ab.
- Einordnung: ThermoActive kann als zusätzliche Schutzschicht eingesetzt werden und dazu beitragen, die thermische und witterungsbedingte Belastung der behandelten Oberfläche zu reduzieren. Eine konkrete Verlängerung der Dachlebensdauer lässt sich jedoch nicht pauschal garantieren.
Wo ist der Haken?
Um objektiv zu bleiben, hat ThermoActive auch klar definierte Rahmenbedingungen:
- Preis: Eine funktionale Dach- oder Fassadenbeschichtung kann teurer sein als ein herkömmlicher Anstrich. Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollten deshalb nicht nur die Materialkosten, sondern auch mögliche Einsparungen bei Kühlung, Wartung und Sanierung berücksichtigt werden.
- Anwendung: Eine fachgerechte Untergrundvorbereitung ist entscheidend. Reinigung, Entfettung, Entfernung loser Bestandteile und – abhängig vom Untergrund – eine geeignete Grundierung können notwendig sein, um eine dauerhafte Haftung zu gewährleisten.
- Saisonale Wirkungsweise: Der größte Vorteil der solaren Reflexion zeigt sich bei intensiver Sonneneinstrahlung. Im Winter stehen andere bauphysikalische Aspekte im Vordergrund. ThermoActive ist daher kein Ersatz für eine vollwertige Wärmedämmung, wenn eine solche konstruktiv erforderlich ist.
Praxiserfahrung: Wo ist es besonders sinnvoll?
Auf Basis der Wirkungsweise und bisheriger Anwendungen kann ThermoActive insbesondere für folgende Einsatzbereiche interessant sein:
- Industriehallen und Lager: Besonders bei großen Dachflächen kann die Reduzierung der solaren Aufheizung dazu beitragen, die thermische Belastung des Innenraums zu verringern.
- Dachgeschossbereiche: Eine reflektierende Dachoberfläche kann den sommerlichen Wärmeeintrag reduzieren und damit den thermischen Komfort unterstützen.
- Ältere Blech- und Bitumendächer: Bei geeigneter Untergrundbeschaffenheit kann die Beschichtung als zusätzliche Schutzmaßnahme eingesetzt werden. Vor einer Beschichtung sollte der Zustand des vorhandenen Dachaufbaus fachgerecht geprüft werden.
Fazit: Ein bauphysikalisch interessanter Ansatz
Die Wirkung von ClimateCoating ThermoActive basiert auf einem nachvollziehbaren bauphysikalischen Prinzip: Eine Oberfläche mit hoher Solarreflexion nimmt bei intensiver Sonneneinstrahlung weniger solare Energie auf und kann sich dadurch weniger stark erwärmen als eine vergleichbare dunkle Oberfläche.
ClimateCoating ThermoActive kann damit einen Beitrag zur Reduzierung der sommerlichen thermischen Belastung von Dächern und Fassaden leisten. Wie groß der tatsächliche Effekt auf die Oberflächen- oder Innenraumtemperatur ausfällt, hängt jedoch immer von den konkreten Bedingungen des jeweiligen Gebäudes ab.
Besonders interessant ist deshalb eine objektbezogene Betrachtung: Mit Vergleichsmessungen, beispielsweise mittels Wärmebildkamera oder Oberflächentemperaturmessung, lässt sich die Wirkung unter den jeweiligen Bedingungen nachvollziehbar dokumentieren.
Haben Sie Interesse an realen Referenzen aus Ihrer Region oder möchten Sie Vergleichsmessungen einer Wärmebildkamera sehen? Kontaktieren Sie uns – wir zeigen Ihnen die Eigenschaften der Beschichtung gerne anhand konkreter Praxisbeispiele.