WDVS-Instandsetzung: Wie man das System ohne Komplettabriss erneuert
Viele Wohngebäude, die in den 1990er Jahren oder nach 2000 gedämmt wurden, stehen heute vor einer wichtigen Frage: Was tun, wenn die Fassade sichtbare Schäden zeigt, das WDVS gealtert ist und die Oberfläche nicht mehr den ursprünglichen Anforderungen entspricht?
Häufig werden zwei Möglichkeiten diskutiert: das bestehende System vollständig zu entfernen und neu aufzubauen oder eine zusätzliche Dämmschicht aufzubringen. Je nach Zustand des Gebäudes kann jedoch auch eine dritte Möglichkeit interessant sein: die fachgerechte Sanierung und funktionale Revitalisierung des vorhandenen WDVS.
Ob eine solche Lösung technisch möglich ist, hängt immer vom konkreten Zustand der Fassade ab. Entscheidend sind unter anderem die Tragfähigkeit, Haftung der einzelnen Schichten, Feuchtebelastung, vorhandene Risse, Wärmebrücken und der Zustand des bestehenden Dämmsystems.
1. Oberflächenschäden bedeuten nicht automatisch das Ende des Dämmstoffs
Bei einem älteren Wärmedämmverbundsystem (WDVS) können sich Schäden zunächst vor allem in den äußeren Schichten zeigen. Dazu gehören Oberputz, Armierungsschicht und Beschichtung. Der Zustand dieser Schichten sollte deshalb getrennt vom Zustand des eigentlichen Dämmstoffs beurteilt werden.
- Verwitterte Oberfläche: UV-Strahlung, Niederschlag, Temperaturschwankungen und andere Witterungseinflüsse können die Oberfläche im Laufe der Jahre verändern.
- Risse und lokale Schäden: Bewegungen des Untergrunds, thermische Spannungen, mechanische Belastungen oder fehlerhafte Details können zu Rissbildungen führen.
- Feuchtebelastung: Über beschädigte Stellen kann Wasser in den Fassadenaufbau gelangen. Ob und in welchem Umfang dadurch der Dämmstoff beeinflusst wird, muss objektbezogen untersucht werden.
- Algen- und Bewuchsbildung: Feuchtigkeit, Verschattung, Oberflächentemperatur und weitere Standortbedingungen können das Wachstum von Algen und Mikroorganismen begünstigen.
Ein sichtbarer Schaden an der Oberfläche bedeutet daher nicht automatisch, dass der gesamte Dämmstoff ausgetauscht werden muss. Umgekehrt sollte eine beschädigte Fassade auch nicht einfach überstrichen werden, ohne vorher den tatsächlichen Zustand des Systems zu prüfen.
2. Wasserdampfdiffusion und Feuchtemanagement
Bei der Sanierung eines bestehenden WDVS spielt der Umgang mit Feuchtigkeit eine wichtige Rolle. Eine neue Beschichtung muss zum vorhandenen Fassadenaufbau passen und darf dessen bauphysikalisches Verhalten nicht unkontrolliert verändern.
Wasserdampfdiffusionsoffene Beschichtungen können dabei interessant sein, wenn der bestehende Aufbau eine entsprechende Ausführung erfordert. Sie sind jedoch nicht mit einer automatischen „Trocknung“ des gesamten Dämmstoffs gleichzusetzen. Wie schnell Feuchtigkeit aus einem Bauteil abgeführt werden kann, hängt unter anderem von Material, Temperatur, Feuchtegehalt, Wetterbedingungen und dem gesamten Schichtenaufbau ab.
Auch die Behauptung, dass Regenwasser allein durch den atmosphärischen Druck regelrecht tief in eine Dämmung „injiziert“ wird, greift bauphysikalisch zu kurz. Bei einer beschädigten Fassade können Schlagregen, Risse, Anschlüsse und andere Schwachstellen die Feuchtebelastung erhöhen. Deshalb ist es wichtig, die konkreten Eintrittswege zu identifizieren und zu beseitigen.
3. Abriss oder Aufdopplung – welche Möglichkeiten gibt es?
Bei einem älteren WDVS gibt es grundsätzlich mehrere Sanierungsstrategien. Welche davon sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal entscheiden.
- Rückbau des bestehenden Systems: Wenn das WDVS erhebliche Schäden aufweist, nicht ausreichend haftet oder andere technische Anforderungen nicht mehr erfüllt, kann ein vollständiger Rückbau erforderlich sein. Diese Variante verursacht allerdings zusätzlichen Aufwand für Demontage, Entsorgung und Neuaufbau.
- Aufdopplung: Unter geeigneten Voraussetzungen kann ein bestehendes WDVS durch ein weiteres Dämmsystem ergänzt werden. Dafür müssen unter anderem die technischen Voraussetzungen, die Tragfähigkeit und die Details des vorhandenen Systems geprüft und die Ausführung fachgerecht geplant werden.
- Sanierung und Beschichtung: Wenn das bestehende WDVS grundsätzlich intakt und ausreichend tragfähig ist, kann je nach Schadensbild eine Sanierung der Oberfläche eine Alternative sein. Dabei werden Schäden zunächst instandgesetzt und anschließend mit einem geeigneten Beschichtungssystem geschützt.
Gerade bei größeren Wohngebäuden kann die dritte Variante interessant sein, wenn nicht der gesamte Fassadenaufbau erneuert werden muss. Die Entscheidung sollte jedoch immer auf einer fachlichen Zustandsbewertung beruhen.
4. ClimateCoating ThermoProtect – funktionale Sanierung der Fassade
Die Technologie von ClimateCoating ThermoProtect kann bei geeigneten Fassaden als Bestandteil eines Sanierungskonzepts eingesetzt werden. Ziel ist es, die vorhandene Oberfläche instandzusetzen und anschließend mit einer funktionalen Beschichtung zu schützen.
Wie kann eine solche Fassadenrevitalisierung aufgebaut sein?
- Reinigung der Oberfläche: Verschmutzungen sowie vorhandener biologischer Bewuchs werden entsprechend dem Zustand der Fassade entfernt. Die Oberfläche muss anschließend für die weitere Bearbeitung geeignet sein.
- Instandsetzung vorhandener Schäden: Risse, lose Bereiche und andere Fehlstellen müssen vor der Beschichtung fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls repariert werden. Eine Beschichtung ersetzt keine notwendige Untergrundsanierung.
- Schutz der Fassadenoberfläche: Eine geeignete Beschichtung kann die Oberfläche vor Witterungseinflüssen schützen und dazu beitragen, die Fassade langfristig funktionstüchtig zu halten.
- Thermische Eigenschaften: Die thermokeramischen Bestandteile der Beschichtung können das Verhalten der Oberfläche gegenüber Wärmestrahlung beeinflussen. Die tatsächliche Wirkung hängt von den Eigenschaften des Gebäudes und den Umgebungsbedingungen ab.
- Wasserdampfdiffusion: Bei einem geeigneten Schichtenaufbau kann eine diffusionsoffene Beschichtung dazu beitragen, das bauphysikalische Verhalten der Fassade zu erhalten. Die konkrete Eignung muss anhand des vorhandenen Systems beurteilt werden.
Die Beschichtung sollte dabei nicht als „Reparatur des Dämmstoffs“ verstanden werden. Ihre Aufgabe liegt vielmehr in der Sanierung und dem Schutz der Fassadenoberfläche sowie – abhängig vom konkreten Aufbau – in zusätzlichen funktionalen Eigenschaften des Beschichtungssystems.
5. Warum eine Revitalisierung interessant sein kann
Wenn die bestehende Dämmkonstruktion grundsätzlich erhalten werden kann, bietet eine Sanierung der Oberfläche einige potenzielle Vorteile. Der vorhandene Fassadenaufbau muss nicht automatisch vollständig entfernt werden, wodurch sich Materialverbrauch, Bauablauf und Entsorgungsaufwand reduzieren können.
- Erhalt vorhandener Bausubstanz: Ein grundsätzlich intaktes WDVS kann weiterhin genutzt werden.
- Weniger Rückbau: Wenn kein vollständiger Systemaustausch erforderlich ist, können Abriss und Entsorgung reduziert werden.
- Geringe zusätzliche Schichtdicke: Eine Beschichtung verändert die Fassadengeometrie deutlich weniger als eine zusätzliche Dämmschicht.
- Schutz und Gestaltung: Die Fassade kann optisch erneuert und gleichzeitig mit einer geeigneten Schutzbeschichtung versehen werden.
- Objektbezogene Sanierung: Die Maßnahmen können an den tatsächlichen Zustand und die Anforderungen des jeweiligen Gebäudes angepasst werden.
6. Wann reicht eine Beschichtung nicht aus?
Eine funktionale Fassadenbeschichtung ist kein Ersatz für einen vollständigen Neuaufbau, wenn das bestehende WDVS gravierende technische Schäden aufweist. Bei fehlender Haftung, größeren Ablösungen, erheblichen Feuchteschäden, statisch relevanten Problemen oder anderen grundlegenden Mängeln kann ein umfassenderer Sanierungsansatz erforderlich sein.
Auch bei Schimmel, Durchfeuchtung oder wiederkehrenden Feuchteschäden sollte zunächst die Ursache geklärt werden. Eine neue Farbschicht kann die Ursache eines baulichen Problems nicht dauerhaft beseitigen.
Fazit: Erst prüfen, dann sanieren
Ein älteres WDVS muss nicht automatisch vollständig entfernt werden, nur weil seine Oberfläche gealtert oder beschädigt ist. Entscheidend ist der tatsächliche Zustand des gesamten Fassadenaufbaus.
Wenn das bestehende System grundsätzlich erhalten werden kann, kann eine fachgerecht geplante Fassadenrevitalisierung eine interessante Alternative zu einem vollständigen Rückbau oder einer zusätzlichen Dämmschicht darstellen. ClimateCoating ThermoProtect kann dabei als funktionale Beschichtung Bestandteil eines entsprechenden Sanierungskonzepts sein.
Der wichtigste Schritt bleibt jedoch die objektbezogene Beurteilung: Untergrund prüfen, Schadensursachen feststellen, passenden Sanierungsaufbau planen und erst danach das geeignete Beschichtungssystem auswählen.